Raveline Interview mit Luciano
Luciano: “Ich versuche immer etwas vom Tag in die Nacht mitzubringen”
Wie Ricardo kommt auch Luciano aus Chile. Auch er prägt die elektronische Musikszene seit Jahren mit seinem Sound. Sowohl mit Produktionen als Luciano oder Lucien´n Luciano, als auch mit seinem Label Cadenza, auf dem Künstler wie Reboot veröffentlichen. In diesem Jahr ist Luciano erstmals beim Blauen See dabei.
Hallo Luciano. Was hast du in letzten Monaten so gemacht?
Jede Menge. Ich war viel im Studio, habe viel Musik produziert. Ebenso kümmerte ich mich um die Organisation der Events, die wir im Sommer auf Ibiza machen. Darüber hinaus habe ich bei meinem Label Cadenza neue Dinge ans Laufen gebracht und war für meine Familie da.
Welches Erlebnis hat dich denn in der letzten Zeit am meisten inspiriert/fasziniert?
Auf jeden Fall der Urlaub zusammen mit meiner Familie.
Wie dein Freund Ricardo bist du ja ebenfalls Familienvater. Wie schwierig ist es, Familie und Künstlerdasein unter einen Hut zu bringen?
Es ist weder schwierig noch leicht. Ich bin schon sehr lange Vater. Meine erste Tochter wurde geboren, als ich 22 Jahre alt war. Dadurch war ich immer schon sowohl in die Musik wie auch ins Familienleben eingebunden. Meine Familie hat meine Karriere hautnah mitbekommen und mich stets unterstützt. Sie macht alles für mich und ich mache alles für sie.
Als DJ spielst du dieses Jahr erstmals beim Blauen See…
Yeah. Ich habe schon viele tolle Geschichten über das Event erzählt bekommen und bin daher sehr froh, dort spielen zu dürfen. Natürlich bin ich extrem glücklich, dass auch Ricardo mit dabei ist. Wir sind wirklich gute Freunde. Aber auch abgesehen davon schätze ich seine Arbeit sehr.
Plant ihr beiden denn, auch mal wieder zusammen ins Studio zu gehen?
Klar haben wir beide den Wunsch, zusammen Musik zu machen. Aber wir sind beide auch andauernd unterwegs durch unsere Karrieren und haben daneben noch Familien. Daher ist es etwas schwierig. Aber ich bin wir sicher, dass wir das irgendwann wieder hinbekommen.
Wo habt ihr euch zum ersten Mal getroffen?
Wir haben uns zum ersten Mal in Chile getroffen. Bei Adrian, dem kleinen Bruder von Dandy Jack. Ricardo und Dandy Jack kannten sich beide aus Frankfurt und waren gerade im Land, um ihre Familien zu besuchen. Ich lebte zu der Zeit noch in Chile und war schon DJ. So kamen Ricardo und ich ins Gespräch über elektronische Musik…
Bist du selbst denn immer noch öfters in Chile?
Ja, aber etwas seltener, als früher. Allerdings bin ich heute viel mehr mit der chilenischen Musikszene in Kontakt.
Musik aus Chile bzw. Südamerika verströmt ja immer auch ein ganz bestimmtes Gefühl….
Ja, Chile ist schon besonders. Aber momentan wird auch in anderen Ländern Südamerikas wie Argentinien oder Peru großartige Musik gemacht. Ich erhalte mehr Demos als je zuvor.
Vielleicht hängt das auch mit der weltweiten Krise zusammen, dass Leute mehr positive Energie durch Musik brauchen.
Natürlich, aber es hat auch mit den neuen technischen Möglichkeiten zu tun. Heute kommt man günstig an Computer und hat Software wie Ableton. Früher musste man teure Maschinen kaufen, was sehr schwierig in Südamerika war. Heute ist es sehr einfach Musik zu machen, das hat einige Grenzen geöffnet.
Gerade im vergangenen Jahr war es populär, traditionelle Instrumente in Tracks einzubauen. Als Producer, wie auch mit Cadenza hast du das ja schon viel früher gemacht…
Vielleicht hat unsere Musik ja einigen Leuten das Bewusstsein geöffnet oder sie inspiriert. Wenn ich damit etwas für die Musik getan habe, bin ich stolz. Wenn nicht, bin ich trotzdem glücklich mit dem was ich mache. Musik ist etwas, durch das sich Leute ausdrücken. Dadurch, dass man sich ausrückt, inspiriert man wiederum andere. Und wenn man Musik macht, ist man immer auch von anderer Musik inspiriert. Auch ich bin von anderen Musikern inspiriert. Ich habe diese Inspiration für meine Karriere genutzt und sie umgesetzt.
Welche andere Musik inspiriert dich denn momentan?
Alle Musik, die mich als Musiker inspiriert, hat nichts mit elektronischer Musik zu tun. Ich höre viel Jazz, wie auch viel südamerikanische und afrikanische Sachen.
Deine DJ-Sets beschwören irgendwie immer auch ein Gefühl von Sommer herauf. Woran liegt das?
Mein größter Wunsch ist es, Partys tagsüber zu erschaffen. Die Musik ist für mich, wenn ich tagsüber spiele, noch viel inspirierender, denn ich bin viel relaxter und habe mehr Freiheiten. Nachts bin ich viel konzentrierter und spiele automatisch härter usw. Ich versuche daher immer etwas vom Tag in die Nacht mitzubringen. Ich spiele dann melodische Sachen usw., die mich an den Tag erinnern.
Dann sind ja die Vagabundo Events, die du mit Cadenza im Pacha auf Ibiza diesen Sommer veranstaltest, ein Schritt in die richtige Richtung…
Auf jeden Fall. Ich habe immer schon die Partys, die tagsüber auf Ibiza in den Clubs stattfanden sehr genossen, denn die Leute sind entspannter und es ist teils auch eine andere Generation, als die, die in der Nacht ausgeht.
Was ist denn die Idee hinter eurer Partyreihe?
Das war eher eine Art Herausforderung. Ich war nie ganz zufrieden mit den Partys, bei denen ich in den Jahren zuvor auf Ibiza gespielt habe. Ich wollte mit den Vagabundo Events etwas schaffen, das anders ist. Nachdem ich bei den Ushuaia Beach Club Partys gespielt habe, redete ich mit den Pacha Leuten und sagte ihnen, dass wir Events zu unseren eigenen Konditionen machen wollen. Ohne die üblichen Big Names. Underground Partys, bei denen wir den Vibe auch etwas ändern wollen. Es soll jeder hinkommen können, egal aus welchem Land er stammt und wie viel Geld er hat. Es geht einfach nur um Musik. Im Pacha war es in den letzten 10 Jahren ja sehr kommerziell mit all den Big Names. Wir wollten nun etwas Neues in den Laden bringen.
Und was können wir in der nächsten Zeit an Releases von Cadenza und dir erwarten?
Da stehen viele tolle Dinge an. Unsere Künstler haben mir alle eine Menge großartiger Tracks geschickt, so dass ich nun schaue, dass jeder Act einen Releaseplatz bekommt. Es ist sehr schwierig, ein Vinyl-Label zu führen und Entscheidungen zu treffen. Wir haben ja 30,40 Künstler. Ich möchte jedem den Raum und den richtigen Moment dafür geben, sich auszudrücken. Das ist schwer, wenn man einen Schedule mit nur 12 Releases pro Jahr hat und viel mehr Künstler. Man kann nicht einfach sagen: Der Track ist gut, den veröffentlichen wir in zwei Jahren. Musik hat immer auch mit Frische zu tun. Man muss mit dem Moment gehen. Es kommt nun z.B. das Reboot Album mit Remixen heraus und jede Menge Tracks von neuen Künstlern.
Wie siehst du denn die schlechte Marktsituation von Vinyl?
Es ist echt traurig, denn Vinyl ist für mich das großartigste Medium für Musik. Man kann es einfach nicht mit Mp3s vergleichen. Ich bin nach wie vor ein Vinyl-Liebhaber und arbeite immer noch analog im Studio. Gleichzeitig liegt es nicht in meiner Hand, was da weltweit passiert. Die Welt entwickelt sich weiter. Und die Kids wollen immer schnelleren Zugang zu Musik und Informationen. Sie wollen nicht auf die Vinyls warten oder in den Plattenladen gehen. Ich bin da absolut dagegen. Aber so schlimm es klingt, das ist irgendwie die Zukunft. Und man kann nichts dagegen tun.
www.myspace.com/luciennluciano
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