Ricardo Villalobos: “Im Sommer muss man schneller auf den Punkt kommen”
Ricardo Villalobos ist einer der wenigen DJs weltweit, der den Spagat zwischen artifiziellem Anspruch und packendem Pragmatismus scheinbar problemlos schafft. Seine fließenden Sets sind legendär, seine episch-ausgedehnten Produktionen polarisieren. Neben seiner Liebe zur Musik pflegt er seine Affinität zu bewegten Bildern. Dies äußerte sich nicht nur in seiner Teilnahme am 2008er Cinemix-Projekt im Rahmen des Jetztmusikfestivals in Mannheim zusammen mit Moritz von Oswald und Max Loderbauer sondern auch in Romuald Karmakars abschließendem Teil seiner Club-Trilogie, die er dem in Chile geborenen Ricardo Villalobos widmete und kurz „Villalobos“ nannte. In diesem Jahr spielt Ricardo zusammen mit seinem langjährigen Freund Luciano, Labelhoncho von Cadenza, genau ein Back2Back-Set: Am 20. Juni am Blauen See in Ratingen. Ein guter Grund, endlich mal wieder mit dem zweifachen Vater, für den „jegliche Art von Promotion sehr lästig ist“ zu sprechen. Nachdem er den ganzen Tag mit Dandy Jack im Studio verbracht hat, erreichen wir ihn kurz nachdem er seinen Sohn ins Bett gebracht hat.
2001 hast Du das erste Mal am Blauen See in Ratingen aufgelegt und in den Jahren darauf regelmäßig Peikis Einladung angenommen. Welche Erinnerungen verbindest Du mit dem blauen See?
Ich liebe es immer, im Sommer Open Air zu spielen. Und der Blaue See ist da etwas Besonderes. Viele Gäste aus verschiedenen Ländern sorgen immer dafür, dass es ein tolles Event ist. Auch wenn in der Vergangenheit der Wettergott nicht immer mitgespielt hat, war die Party doch stets hervorragend. Und ich bin guten Mutes, dass es in diesem Jahr besseres Wetter geben wird.
In diesem Jahr ist es zum ersten Mal seit dem Bestehen dieses Open Air-Festivals so, dass Sven Väth nicht in Ratingen spielt. Inwiefern macht das für Dich einen Unterschied in Bezug auf die Vorbereitung auf das Event?
Hinsichtlich Vorbereitung macht das für mich keinen Unterschied. Im Sommer muss man schneller auf den Punkt kommen, und da ich versuche, mich nicht zu wiederholen, plane ich viele verschiedene Sets und bereite diese vor. Ich finde es schade, dass Svens Terminplanung in diesem Jahr nicht zum Blauen See gepasst hat, aber das Event ist auch so ein Pflichttermin für viele Menschen und sie werden wir nicht enttäuschen.
Freust Du Dich auf das Back2Back-Set mit Luciano?
Sehr. Mit meinem Freund Luciano zu spielen, ist in etwa so wie ein Nachhause kommen für mich. Wir verstehen uns blind und werden den Gästen sicherlich eine tolle Zeit bescheren. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, den Main Floor zu bespielen.
Nach dem Blauen See steht für dich Ibiza auf dem Plan. Wirst Du neben deiner Cocoon-Residency im Amnesia noch in anderen Clubs spielen?
Ich konzentriere mich total auf Cocoon, da wir an das hervorragende vergangene Jahr anknüpfen wollen. Die Stimmung 2009 war wirklich außergewöhnlich, und das spornt uns an. Daneben werde ich das Monza-Closing spielen und vielleicht ab und an in ausgesuchten Locations unangekündigt als Special Guest auftauchen. Das DC10 hat ja wieder geöffnet zum Beispiel.
Du wirst am 6. August 40. Ein Freitag. Was planst Du da? Sicherlich keinen ‘normalen’ DJ-Gig…
Ich hatte nicht vor, meinen Geburtstag groß zu inszenieren – 40 zu werden, ist schon etwas seltsam – aber ich weiß, dass Freunde von mir etwas vorbereiten. Ich werde in einem bekannten Berliner Club auflegen und dann auch dort meinen Geburtstag feiern.
Welche Platte kannst du unseren Lesern aktuell ans Herz legen?
Ganz neue Platten gebe ich ja ungern Preis, da sie dann von vielen anderen DJs auch gespielt werden und keine Tipps mehr sind. Aber momentan spiele ich sehr oft die neue Hemlock Recordings von Ramadanman “Glut” / “Tempest”.

